Luftsportverein Zeitz e.V.

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Section Drachen- und Gleitschirmfliegen

Fliegen durch Muskelkraft?

"Es ist nachweisbar unmöglich, daß sich ein Mensch in die Lüfte emporschwingen und gar noch dort verharren kann. Nur Unwissende können also Versuche in dieser Richtung unternehmen...", schrieb ein französischer Mathematiker im 18. Jahrhundert voller Überzeugung.

Erste  Flugversuche  eines Drachenfliegers

So umstritten das Fliegen damals war, der Ingenieur und Maschinenfabrikant Otto Lilienthal gehörte zu jenen, die fest an das Fliegen durch reine Muskelkraft glaubten. Er ging mit seinen Versuchen bewußt an die Öffentlichkeit, da er mit dem Fliegen Geld verdienen wollte. Außerdem glaubte er, daß nicht ein Einzelner die Flugmaschine erfinden könnte. Otto Lilienthal errichtete 1894 in Berlin Lichterfelde einen 15 Meter hohen "Fliegerberg", von dem er vor Publikum mit seinen Ein- und Doppeldeckern startete.

Mit festen Flügeln aus Stoff und Bambus segelte Lilienthal den Berg hinunter. Es gelang ihm, mit seinem Gleitflugzeug 300 Meter weit zu fliegen und sogar zum Ausgangspunkt zurückzukehren.

Nach mehr als 2000 Versuchen bricht er sich die Wirbelsäule und stirbt. Sein "Normal-Segelapparat" hatte durch einen Strömungsabriß in geringer Höhe keinen Auftrieb mehr und stürzte zu Boden.

Der Weg zum Hängegleiterpiloten

Jeder Interessent an dem Sport kann, wenn er mindestens 16 Jahre alt ist und eine gute geistige und körperliche Konstitution besitzt, mit dem Drachenfliegen beginnen. Die medizinische Bestätigung durch einen Arzt reicht aus. Und eine Brille stellt kein Hindernis dar; bei einer Körperbehinderung entscheiden Facharzt und Clubleitung über die Tauglichkeit.

Sind die erforderlichen Formalitäten erledigt, kann die Ausbildung beginnen.

Der Lernausweis

Von  Anfang  an Alleinflüge kurz über den Boden

Als erstes erwirbt der Flugschüler den Lernausweis, auch L-Schein genannt. Im theoretischen Unterricht (10-12 Stunden) vermitteln die Ausbilder Grundkenntnisse in Gerätekunde, Aerodynamik, Fluglehre, Wetterkunde, Luftrecht und Sicherheitsbestimmungen.

Die praktische Ausbildung umfaßt 50 Alleinstarts, davon mindestens zwanzig mit 40 bis 100 m Höhenunterschied. Dabei erlernt der Schüler den Start, Geradeaus- und Kurvenflug sowie die Landung. Er erhält eine Einweisung in das Fliegen in liegender Position.

Prüfung: Nachweis des theoretischen Grundwissens und ein selbständiger, einwandfreier Flug mit mindestens 40 m Höhendifferenz.

Die Ausbildung zum Lernausweis dauert während eines durchgehenden Lehrgangs etwa eine Woche, die Kosten werden bei 300,- € liegen (unverbindliche Angabe). Auch die nachfolgenden Kurse zum Erwerb der einzelnen Scheine müssen bezahlt werden. Nach dem Erwerb des L-Scheins darf im Übungsgelände unter Aufsicht des Fluglehrers selbständig geflogen werden.

 

Befähigungsnachweis "beschränkter Luftfahrerschein"

Die  absolute  Freiheit!

Voraussetzung für die Schulung zum ersten Befähigungsnachweis, auch "beschränkter Luftfahrerschein" genannt, ist selbstverständlich der Lernausweis.

Theorie: Vertiefung der Grundkenntnisse (etwa 20 Stunden). Praxis: Mindestens 30 Alleinflüge mit mehr als 100 m Höhenunterschied und mehr als 100 m Bodenabstand auf mindestens zwei verschiedenen Geräten. Davon müssen zehn Flüge bei mindestens 400 m Höhenunterschied absolviert werden. Der Schüler erlernt die Steuertechnik von 180-Grad-Kehren, Vollkreisen, ohne und mit Kreiswechsel (Achten), sowie korrekte Flug- und Landeeinteilung.

Prüfung: Nachweis fundierter theoretischer Kenntnisse; ein Fuß- oder Windenstart, Einnehmen der liegenden Position, Fliegen von Vollkreisen ohne und mit Überleiten, Landeeinteilung und sichere Landung in einem 80-m-Zielkreis.

Anmerkung: Ein Teil der Flüge kann im Winden- oder Autoschleppstart erfolgen.

 

Befähigungsnachweis "unbeschränkter Luftfahrerschein"

Landung  mit  leichter Verwirbelung durch die Waldkante

Theorie: Da nach dem Erwerb dieses Nachweises der Drachenflieger auch selbständig Streckenflüge unternehmen darf, kommt nun das Fach Navigation dazu, und es werden natürlich die Kenntnisse in Wetterkunde und anderen Fächern vertieft.

Praxis: Mindestens zehn von einem Fluglehrer bestätigte Alleinflüge mit mehr als 30 Minuten Flugdauer; Langsam- und Schnellflug, Steilkurven, exakte Flug- und Landeeinteilung. Auch diese Flüge können im Winden- oder Autostart unternommen werden.

Prüfung: Kenntnisnachweis. Prüfungsflug mit steilen 180-Grad-Kehren, Vollkreis rechts und links ohne und mit Überleiten (Achten), sichere Landeeinteilung und Ziellandung im 60-m-Kreis.

 

Ausbildung im Schleppstart

Start  an  der Stationärwinde

Bereits die Inhaber des L-Scheins können einen Teil ihrer Ausbildung an der Schleppwinde oder im Autoschlepp absolvieren. Allerdings fordern die Richtlinien, bei denen sich der DHV an den bewährten internationalen Festlegungen orientierte, statt der Hangstarts die doppelte Anzahl Schleppflüge. Die Theorie umfaßt zusätzlich die Einweisung in die Schlepptechnik und -methodik einschließlich Gefahreneinweisung.

 

 

 

 

Impressionen aus Lanzarote

Frank Schirmer und Thorsten  Weigelt entfliehen der Staubewölkung an der Klippe von Famara

Die meisten Drachenflieger schwärmen für Lanzarote.  Für den Pauschaltouristen fast etwas zu öde ist diese Landschaft für den Drachenflieger das Paradies.

Wenn das Sauwetter in Deutschland losgeht und selbst der UL-Flieger keinen Bock mehr hat im grauen Grau herumzuknattern, dann packen die Drachenflieger einfach ihren Flügel in die nächste Maschine und sind in 4 Stunden auf der Sonneninsel Lanzarote.

Die Tourismusbranche hat sich seit langem darauf eingestellt - die Mitnahme der Drachen im Flugzeug wird als normales Sportgepäck gerechnet - die Mitwagen auf der Insel sind mit stabilen Dachträgern bestückt - Drachenflieger sind überall willkommen, denn sie beleben die Insel.

Wer das Glück hatte, in Famara an der Klippe zu fliegen, der wird diese Momente sein ganzes Leben nicht mehr los. Zwei Drachenflieger unseres Clubs, Frank Schirmer und Thorsten Weigelt, sind kurz vor Ostern dort gewesen und lassen uns mit ihren Großaufnahmen an ihrem Erlebnis teilhaben. Wie mir Frank berichtete, hatte er es wieder einmal geschafft fünf Minuten im Dunkel der Staubewölkung zu fliegen. Wer dort hinein gerät, hat ansich nur zwei Möglichkeiten, nicht im Plastiksack nach Hause zu gelangen:

  1. gegen den Wind mit erhöhter Geschwindigkeit die Richtung halten und ausharren, bis man vor der Klippe aus der Staubewölkung wieder herausschießt,
  2. mit dem Wind über die Insel jagen und auf der anderen Seite am Strand landen.

Frank entschied sich für Zweiteres und hatte eine gute Entscheidung getroffen.

Thorsten Weigelt reitet die Klippe am Atlantik entlang

 

Blankenhain

Alles, was ihr zur Fliegerei braucht, findet ihr in Blankenhain, ganz in unserer Nähe. Blankenhain arbeitet eng zusammen mit Gleischirm- und Motorgleitschirmflugschulen.

 

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